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Dreharbeiten zu "Helen" in VancouverGrün, überall grün!Von Susanne SchmetkampSandra Nettelbeck („Bella Martha“) hat in Kanada gerade ihren neuen Film „Helen“ abgedreht, ein Depressions-Drama. Als englischsprachiger Film mit amerikanischer Top-Besetzung soll das schwere Thema bessere Verkaufschancen bekommen.
Helen (Ashley Judd) leidet unter
Depressionen, Szene aus dem gleichnamigen Film von Sandra Nettelbeck. Foto: Verleih Ohne touristischen Euphemismus pflegen zu wollen (wonach das Andere stets schöner sei als das Eigene) muss man angesichts dieser Kulisse unumwunden zugeben: sie ist traumhaft, atemberaubend und einzigartig. Wer vom Flughafen der kanadischen Stadt Vancouver in die City fährt, taucht, nach langer gerader Strecke, in eine faszinierende Hochhausarchitektur ein. Die Glasfassaden glitzern und glänzen, ein Riese überragt den anderen. Wenn in den Zwischenräumen ein fliegendes Auto sauste, man würde sich nicht wundern. Das ist Downtown, Vancouvers Innenstadtkern auf der Burrard-Halbinsel im Norden der Stadt. Als wäre das nicht schon Schauspiel genug, erheben sich am Horizont wuchtige Berge, auf deren Gipfeln weißer Schnee liegt und an deren Fuße sich ein Meeresarm des Pazifischen Ozeans schlängelt. Und es geht noch schöner: Hinaus aus Downtown, gelangt man in den Stanley Park. Mehr als 400 Hektar weit leuchtet es hier grün, grün und nochmals grün. Der Park mit einer halben Million Bäumen ist der größte Stadtpark Kanadas und der drittgrößte Nordamerikas. Ausgerechnet hier wird ein Depressions-Drama gedreht, denn Vancouver ist nicht nur Natur, sondern auch das „kanadische Hollywood“, drittgrößter Filmstandort Nordamerikas nach Hollywood und New York. 80 Prozent der Filmklientel in der Provinz British Columbia um Vancouver kommt aus Los Angeles. Die Bedingungen sind gut, Koproduktionen werden gefördert, zunehmend auch mit Europa. Und so hat nun hat auch Sandra Nettelbeck, deutsche Filmemacherin und Schöpferin der Romanze „Bella Martha“, in Vancouver ihren neuen und erstmals englischsprachigen Film „Helen“ realisiert. Futuristische Bauten und hoffnungsvolles Grün waren dabei aber das Letzte, was Nettelbeck brauchte: „Wir hatten uns den Film in Blau-, Grau und Weißtönen vorgestellt, auf keinen Fall aber in grün“. Im Film soll die Farbe wie die Lebenslust mehr und mehr aus dem Leben der Hauptfigur Helen verschwinden. Monochromie als Abbild von Depression. Nur das Meer, als Symbol für den Tod, ging durch. "Das Meer hat wie der Tod etwas Erschreckendes und Erlösendes zugleich." Diese Stimmung kommt denn auch bereits bei einem ersten Screening einiger Filmminuten zum Ausdruck. Ein starker Kontrast zu „Bella Martha“, der Kochromanze mit Martina Gedeck. Beide Geschichten seien aber parallel entstanden, sagt Nettelbeck. Rückblick: 2001 fertiggestellt, von der Kritik geschmäht, vom Publikum überall auf der Welt gefeiert, von Hollywood für das Remake „Rezept zum Verlieben“ adaptiert, erzählte „Bella Martha“ die Geschichte der perfektionistischen Köchin Martha Klein, die sich rührend, aber unbeholfen um die Tochter ihrer verstorbenen Schwester (gespielt von Nettelbeck) kümmert. Dazwischen gibt es humorige Turbulenzen in der Küche mit dem italienischen Gigolo-Koch Mario (Sergio Castellitto). Ganz anders „Helen“, ein Drama, das Nettelbeck einer verstorbenen Freundin widmet. Helen ist eine erfolgreiche Musikprofessorin, Mutter einer Tochter im Teenageralter, zum zweiten Mal verheiratet, glücklich. Doch sie leidet unter Depressionen. Helen fühlt sich nicht nur nicht mehr glücklich, sondern sie fühlt rein gar nichts mehr. Doch wieso wird das ausgerechnet in Kanada gedreht, wieso nicht etwa an der deutschen Nordsee, die im Winter sicherlich Stoff für Depressionen hergibt? Das Thema sei global, sagt Nettelbeck. Es kann überall spielen. Also war wohl nicht die Kulisse Kanadas ausschlaggebend. Vielmehr standen ökonomische Gründe hinter dem Projekt: „Ich wollte den Film möglichst gut verkaufen können.“ Es sollte ein rein englischsprachiger Film werden, bloß kein deutscher Problemfilm. (Nettelbeck, 41, spricht ausgezeichnet Englisch und schrieb das Drehbuch nach der ersten Fassung komplett auf Englisch). Eine weitere Vermarktungstaktik: amerikanische Starbesetzung. Gillian Anderson („Akte X“) war für die Hauptrolle vorgesehen, Goran Visnjic („Emergency Room“) spielt den Ehemann. Anderson sprang jedoch sechs Wochen vor Drehbeginn ab, das Projekt drohte zu scheitern, wenn da nicht Ashley Judd („Frida“) schon auf der Schwelle gestanden hätte. Dass Judd übernehmen konnte, erschien wie eine Fügung, sagen Nettelbeck und die Produzentin des Films, Judy Tossell. Als eine „Berufung“ beschreibt es die Schauspielerin sogar selbst. Zufällig war das Drehbuch schon Monate zuvor auf Judds Schreibtisch gelandet. Und da die 39-Jährige selbst jahrelang unter Depressionen gelitten und 2006 eine Therapie gemacht hatte, wundert es nicht, dass sie die Rolle zur „Rolle ihres Lebens“ erhebt. Für Nettelbeck ist es ebenfalls ein Lebenswerk. „Ich fühlte schon fast eine Verpflichtung, den Film nun endlich zu realisieren.“ Doch die Finanzierung (der Film kostet fünfeinhalb Millionen Euro) war angesichts des Themas nicht gerade einfach, sagt Tossell von der Berliner Produktionsfirma „Egoli Tossell Film“. Es sei einfacher, einen ausländischen Film in Deutschland finanziert zu bekommen (Beispiel „Stauffenberg“) als einen deutschen Film mit deutschen Fördermitteln im Ausland zu drehen. 55 Prozent des Förderanteils tragen nun die Filmstiftung NRW (mit 450 000 Euro), der Deutsche Filmförderfonds DFFF und die Filmförderungsanstalt FFA (mit je 250 000 Euro) sowie der Medienboard Berlin-Brandenburg (mit 200 000 Euro). 45 Prozent kommen von kanadischen Produktionsfirmen. Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung, hätte es zwar nach eigenen Angaben schön gefunden, wenn Nettelbeck in NRW gedreht hätte. "Aber wichtig ist die Vision der Regisseurin". Jüngst geriet die Filmförderpolitik von NRW allerdings in die Schlagzeilen: Es würde mehr Geld für Filme als zum Beispiel in Bayern ausgegeben, aber nur die Hälfte an Kinofilmen produziert. Allerdings muss man "Helen" wohl auch unter einem anderen Gesichtspunkt sehen: Der Film steht nicht für den deutschen Film - schon Nettelbecks "Bella Martha" hatte eher eine amerikanische als eine deutsche Handschrift. "Helen" stehe für den Bereich "Europäische Koproduktion", sagte Produzentin Tossell in Kanada. Und die ersten Bilder sprachen eher dafür als dagegen, mehr von solchen Projekten zu realisieren - zumindest unter filmästhetischen Gesichtspunkten. Nettelbeck hat zusammen mit ihrem Stammkameramann Michael Bertl viele Monate in Kanada verbracht. Und so schön das Land ist, sie freut sich auf Deutschland – die Postproduktion von Helen ist in Köln und Berlin. Danach folgt ein neues, thematisch wieder leichteres Projekt. Die Uraufführung von „Helen“ soll im Herbst beim Filmfestival in Toronto stattfinden.
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