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Eva Herman

Das Prinzip Dummheit

Von Bastian Fleermann

Der NDR hatte die Faxen von Eva Herman dann doch dicke. Der SPIEGEL hämelt, ihr bliebe nun wieder genügend Zeit zum Apfelkuchenbacken. Das stimmt. Aber wie konnte sich das Mütterchen der Nation so in den Schlund der Torheit verirren?

Die „taz“ nennt Eva Hermann jetzt „Princess of Brightness“ oder „lebendige Barbiepuppe“. Stimmt auch. Selbst die Webmaster der NPD fassen sich ein Herz und heißen die Ex-Tagesschau-Sprecherin auf ihrer Homepage „herzlich willkommen!“ Selten waren Nazis zu einer solchen Eigenironie fähig. Bravo.

Genau ein Jahr ist es nun her, dass Herman ihr „Eva-Prinzip“-Buch vorstellte. Nun steht das „Prinzip Arche Noah“ an: die Rettung der Familie und die endgültige Rückbesinnung auf das 19. Jahrhundert. Die Zitate, die sie am Rande der Pressekonferenz vor Journalisten losließ, sind hinlänglich bekannt. Die Wertschätzung der Mutter, die im Dritten Reich hochgehalten und dann durch die „68er“ mir nichts dir nichts abgeschafft wurde, liegt Eva Herman besonders am Herzchen. Was ist mit ihr los, dass sie sich in solche törichten Argumente verstrickt? Will Sie Ihr Buch mit diesem Trash am Markt platzieren? Das kennen wir bereits von der SS-Beichte des Blechtrommlers G.G. Oder ist die 49jährige Mutter einfach tollpatschig? Es mag vermutet werden, dass leider beide Optionen zutreffen.

Auch ohne tief greifende Hobbypsychologie anwenden zu müssen, versteht man ihre Mutter-Vater-Kind-Familienneurose schon, wenn man sich ihren Lebenslauf anschaut. Der Schnelldurchlauf für Eilige: Herman ist zum vierten Mal verheiratet und hat einen Sohn. 1983 heiratete Eva Feldker den Autohändler Werner Hermann, den sie 1980 kennen gelernt hatte. Die Scheidung erfolgte 1988. Im Folgejahr heiratet sie den Fernsehjournalisten Horst-Wolfgang Bremke, der wie Herman beim NDR arbeitete. Die Ehe wurde 1992 geschieden. Von 1991 bis 1994 war Herman mit dem Moderator Uwe Bahn liiert. 1995 heiratete sie den Produzenten und Regisseur Tom Ockers. 1997 wurde der gemeinsame Sohn geboren. 2002 kam die nächste Scheidung. 2005 heiratete Herman den Hotelier Michael Bischoff. Na, das hätte den Nazis gefallen: Bei fünf Männern nur ein Kind zustande bekommen! Wo gibts denn so was? Und nun kann sie die Finger nicht vom Thema lassen. Selbst Geschichtsklitterung muss da herhalten.

Hätte Herman – und wir wollen gar keine tiefgründigen Fähigkeiten in Sachen Zeitgeschichte oder eine qualifizierende Ausbildung von ihr verlangen – hätte sie nur einmal 2006 in die Bestsellerlisten für Sachbücher geblickt, sie wäre vermutlich über Götz Aly und sein Buch „Hitlers Volksstaat“ gestolpert. Von Dutzenden anderen Historikerinnen und Historikern einmal ganz abgesehen, die sich seit 20 Jahren mit dem Thema „Frau im Nationalsozialismus“ wissenschaftlich auseinandersetzen, ganz zu schweigen. Nein, solche Fachlektüre wollen wir der gelernten Hotelkauffrau gar nicht zumuten. Nur einmal Aly. Wenigstens ein paar Seiten! Es hätte genügt, um ihr die Flausen aus dem blonden Pony zu vertreiben. Sie hätte gelernt, wie stark die Mutter im SS-Lebensborn von den Nazis „wertgeschätzt“ wurde. Sie hätte gestaunt, wie die Nazis mit „der Familie“ umgegangen sind. Sie hätte von den Tricks und Lügen gelesen, die man sich im Deutschland der 1930er Jahre gegenseitig auftischte. Sie hätte von einer konstruierten Volksgemeinschaft gelesen, von sozialen Verlockungen des totalitären NS-Staates. Vielleicht hätte sie auch nur mal beim ZDF-Kollegen Guido Knopp vorbeigezappt. Nur mal ganz kurz. Selbst da („History“, „Hitlers Frauen“), und da sind wir ja schon im kleinsten Niveau der Geschichtsvermittlung angelangt, selbst bei Knopp hätte Herman lernen müssen, dass Frauen nichts weiteres als Gebärmaschinen waren, dass Frauen im KZ ermordet wurden, dass Familien auseinander gerissen und deportiert wurden, dass man jungen Müttern ihre behinderten Kinder wegriss, um sie als „lebensunwert“ mit Kohlenmonoxid zu vergasen.

Doch nichts dergleichen hat Frau Hermann getan. Sie freut sich lieber auf den März. Da will sie bei der FPÖ in Österreich auftreten. Und es kann auch sein, dass sie für den September 2008 schon wieder das nächste Buch plant. Um die logische Abfolge ihrer Buchtitel fortzuführen, wäre vielleicht folgender Titel geeignet: „Eva Herman. Das Prinzip Dummheit.“

Oder wir lassen das alles hier und verschwenden an sie keinen Gedanken mehr. Alice Schwarzer hat schon im vergangenen Jahr befunden: „Frauen sollten mit so einem Quatsch im Jahre 2006 keine Zeit mehr verlieren“. Und da hat sie auch mal Recht gehabt. In Frankfurt am Main wurde am Freitag Abend ein Rabbiner der jüdische Gemeinde von einem Araber angepöbelt und niedergestochen. Und wir denken an das Tagesschau-Blondchen. Eva Hermans Geburtstag ist der 9. November. Ausgerechnet. Sie hat nichts verstanden. Gar nichts.

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Die neuesten Kommentare


Jurij Below | 27.08.08 21:31 Uhr

Herr Fleermann,#sie gehören nach Logik von Prof. Wippermann zu laute Minterheit. In Ihrere Darlegungen, sie gehen davon aus, dass die Menschen bleiben immer wieder mit ihren Eigenschaften, wie die Leichen. Nein Eva Herman ist eine lebendige Frau und Sie können Sie nicht fertig machen mit private Vergagenheit. Nun die wirklich "Dummen" ändern sich nicht. Sonst die geschichte der Menschheit war nicht so spannend: von Saul, der wurde zum Paul bis Roger Gaurady, der von links nach rechts gewechselt hat - um einige Beispiele zu nennen, sie garde bewiesen haben, dass Sie nicht wie Nietzsche mal über manchen gesagt: "Die leichen mit offenen Augen".
Ich habe Eva Herman kritisiert, dass für sie so lange egal war, dass die anderen wegen ihrer Meinungen bestrafft wurden, weil sie nie geglaubt hat dass eines Tages selbst "aus dem Paradies" (FAZ) verbannt wird.
Was sie sagt bewegt Millionen von Menschen, die nicht aussterben wollen.
Da gibt es noch "Ein Hoffnung-Prinzip" - mal sehen ob das nicht Sie erwischt.
Alles Gute
MfG
Jurij Below



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