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Interview mit Kirchenkabarettist Matthias Schlicht

"Gottes Bodenpersonal bietet viel Stoff"

Von Sabine Wirth

Wo steht, dass es in der Kirche immer ernst und still zugehen muss? Matthias Schlicht macht seit 15 Jahren Kabarett und blickt mit Ironie, aber auch scharfzüngigen Worten hinter die sakralen Kulissen. Ab 7. Juni steht er im Rahmen des Kölner Kirchentags auf der Bühne. Sabine Wirth sprach mit ihm über Kirche, Humor und seine Grenzen.

Gibt es in der Bibel auch humorvolle, lustige Stellen?
Viele Gleichnisse Jesu sind von einer Lebensfreude durchzogen, zum Beispiel das Gleichnis vom verlorenen Sohn entbehrt nicht der Komik. Es wird erzählt, dass er mit einer Hure das Geld durchgebracht hat, er bekam Essen, das nicht mal für die Schweine gedacht war. Paulus sagt: „Mit den Fröhlichen soll man lachen, mit den Traurigen weinen.“ Der Glaube hilft, dass man lacht, trotz der Schrecknisse in der Welt. Nach dem Motto: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

An welcher Stelle lacht Jesus?
Als Jesus die Kinder trifft. In Markus 10, 13-16 wird berichtet, als man Kinder zu Jesus bringt, wollten die Jünger sie wegschicken. Aber Jesus lässt sie zu sich kommen, herzte und segnete sie. Das hat er sicher nicht mit ernster Miene getan.

Kirchenkabarett boomt seit Jahren. Gibt es auch katholisches Kabarett?
Das älteste Kabarett stammt aus den 70er Jahren, aus Bayern. Es nennt sich „Weißblaue Bäffchen“. Matthias Brodowy ist katholischer Kabarettist.

Das Kirchentagsmotto lautet: „lebendig und kräftig und schärfer“. Das passt ja sehr gut zum Kabarett, das ja auch scharfzüngig ist. Glauben Sie an die Macht des Wortes?
Ja, auf jeden Fall. Worte können scharf treffen. Auf dem Kirchentag werde ich viele Dinge ansprechen. Die Kleinigkeiten wie volle Bahnen, das ökologische Essen, der Zwang zum Singen und Fröhlich-Sein. Ich greife auch den Zeitgeist auf. So könnte man eine Sendung mit Dieter Bohlen machen: „Deutschland sucht den Superseelsorger“. Auch ökumenische Themen klammere ich nicht aus. Wer ist beliebter? Knut oder der Papst? Beide tragen weißen Pelz. Dörflein, der Pfleger von Knut, und Georg Gänswein, der Sekretär vom Papst haben vergleichbare Aufgaben. Aber Witze über den Papst sind für mich tabu.

Wo hört bei Ihnen der Spaß auf und fängt die Beleidigung von religiösen Gefühlen an?
Das Verhohnepipeln, das ins Lächerliche-Ziehen von Bibeltexten. Auch, wenn es um die Seelsorge geht. Gottes „Bodenpersonal“ bietet so viel Stoff ...

Wie würden Sie einen Moslem zum Lachen bringen?
Als ich Studentenkabarett gemacht habe, waren auch viele Moslems unter den Zuschauern. Die haben sich auch köstlich über die Gottesfrage amüsiert.

Was antworten Sie Menschen, die sagen, „ohne Religion gäbe es keine oder weniger Kriege?“
Nicht alle Kreuzzüge waren religiös motiviert. Der erste ja. Aber beim vierten standen ökonomische Interessen dahinter. Die Kreuzzügler sind in Konstantinopel abgebogen und haben sich untereinander bekämpft. Man könnte ja auch sagen, ohne Kapitalismus gäbe es keine Kriege. Religionen können immer missbraucht werden.

Was war Ihr ungewöhnlichster Ort, an dem Sie einen Gottesdienst gehalten haben?
Eine Kneipe um Mitternacht an Heilig Abend.

Matthias Schlicht, 1961 geboren, verheiratet, drei Kinder, war sieben Jahre Pastor in Bardowick (Lüneburg), weitere sieben Jahre Studentenpfarrer an der TU Clausthal. Seit 2003 ist der Studiendirektor im Predigerseminar Kloster Loccum. Neben Kabarett gehören Kochen, Korfu und Kirche an ungewöhnlichen Orten zu seinen Leidenschaften.

Matthias Schlicht tritt im Rahmen des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Köln vom 7. bis 9. Juni im Atelier Theater auf. Zu sehen ist dann ein Programm, das er eigens für das Großereignis geschrieben hat.

Weitere Infos sind unter www.ateliertheater.de und unter der Homepage von Matthias Schlicht www.matthiasschlicht.de abrufbar.

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