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Hans Zippert liest in Hagen

"Ich kann nur komisch sein"

Von Annika Wind

Er ist komisch und das immer bis 17 Uhr, denn dann ist bei der "Welt" Redaktionsschluss. Täglich schreibt Hans Zippert an seiner Kolumne. Bei einer Lesung in Hagen erklärte er Annika Wind, wo Zippert zappt, was er niemals im Fernsehen sieht und warum er einst Helmut Kohl gegen Bärbel Schäfer tauschte.

Hans Zippert. Foto: Norbert
Miguletz/Kein & Aber.

Hans Zippert zappt. Täglich. Aber wohin? Ins Fernsehprogramm? Oder in Zeitungen? „In beides“, antwortet der Mann, der Kolumnen für die „Welt“, die „Funkuhr“ und die „Titanic“ schreibt und dem offensichtlich jeden Tag aufs Neue Komisches einfällt. Einleuchtendes wie: „Die eigene Geburt ist ein anregendes Erlebnis. Nicht selten folgt auf sie ein ganzes Leben“. Oder Wahres wie: „Im Dunkeln sind Bücher völlig wertlos, denn man sieht nichts“.

Hans Zippert zappt für Inspiration. Morgens gleich in den Videotext, dann guckt er fern, dann liest er Zeitung und zwischendrin fällt ihm immer etwas ein. Jeden Tag aufs Neue und spätestens bis 17 Uhr, denn dann ist bei der „Welt“ Redaktionsschluss.

Zippert zappt schon seit Jahren - und dabei niemals in Comedy-Sendungen und niemals zu Harald Schmidt. „Den gucke ich mir gar nicht erst an“, sagt er. Verboten ist schließlich der Komik-Klau unter Kollegen. Zu viele sind von der "Titanic"-Redaktion, in der er einst arbeitete, inzwischen zum Fernsehen übergelaufen. Als Schreiber hinter den Kulissen.

Hans Zippert breitet Zeitungsschnipsel vor sich aus. Fein säuberlich ausgeschnittene Kolumnen. Gleich zehn- und zwanzigfach verteilt der Autor sie auf dem Tisch, greift nacheinander einen Exemplar heraus und liest. Komisches im Auftrag des Springer-Verlags, ohne echte Ecken und Kanten oder gab es schon mal Protest? Seit 1999 schreibt Zippert seine Kolumne für die "Welt", erst einmal ging ein Text zurück. Kurzerhand wurde Kohls Spendenaffäre gegen Bärbel Schäfer getauscht. Heute hat sich Zippert ein besonderes Vertrauen erschrieben, wie er sagt. Es ist lange her, seitdem die "Welt"-Redaktion einen zweiten Text von ihm verlangte. Einen "Notnagel". Heute schreibt Zippert einen Text am Tag und gibt spätestens um 17 Uhr ab. Im Voraus produziert er nie, es sei denn, er fährt in den Urlaub.

Wenn Zippert von seinem Werdegang erzählt, dann hört es sich so an, als sei er ganz zufällig zum Kolumnisten großer Tageszeitungen geworden. In Gifhorn arbeitete er auf einer Vogelpflegestation. Doch dann kam das Volontariat bei der "Titanic" in Hamburg, dann der Redakteursposten, dann der Wechsel in die Chefredaktion. "Die Karriere geht da schneller als bei der FDP", sagt Zippert, der seit einigen Jahren als freier Autor arbeitet. Vielleicht hat er Recht: Entweder man kann Satiren schreiben oder nicht. Fest steht: Alles, was dazwischen liegt, bleibt auf der Strecke.

„Ich kann nur komisch sein“, sagt er und spricht so leise und gibt sich so bescheiden, als seien seine Satiren wie eine Krux. Immer, wenn er versuche, etwas Ernsthaftes zu schreiben, müsse er im Anschluss doch irgendwas wieder rausstreichen. Dann werden überzogene Darstellungen und spitze Randbemerkungen gegen Pflegeleichtes getauscht. Sich anhalten, nicht wieder bissig zu werden - eine echte Aufgabe.

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