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Ein Rundgang über die BuchBasel 06Nicht ins Mikro gebissenVon Matthias SteuberWer sich Stress-Buchmessen wie Leipzig und Frankfurt ersparen möchte, sollte mal nach Basel fahren. Die Macher der BuchBasel lassen sich nicht vom Veröffentlichungsrhytmus der Verlage beunruhigen, sondern setzen auf den Faktor Gemütlichkeit: Saftbars, Literaturcafés und die Nähe zur Innenstadt sind große Pluspunkte. Ein kleiner Messerundgang.
„Irgendwie war das letzte Mal mehr los“, denke ich, als ich durch die nicht übermäßig gefüllten Hallen der BuchBasel 06 meine Runden drehe. Dabei sind auch diesmal einige hochkarätige Autoren, interessante Klein- und Großverlage und ein ebenso interessiertes wie gemischtes Publikum neonbeleuchtet unterwegs. Na ja, erst mal von Anfang an: Die BuchBasel ist Buchmesse, Literatur- und Jugendbuch/Comicfestival gleichermaßen. Ein entsprechendes und ansprechendes Rahmenprogramm mit mehr oder weniger spannenden Events findet abends in verschiedenen Läden und Clubs der Basler Innenstadt statt. Auf der Messe selbst wenig Fachpublikum (meistens Schnauzertragende Mitt- und Endsechziger in karierten Sakkos) – viele junge Leute mit Familienanhang. Letzterer kriegt tatsächlich was geboten und muss nicht in ein improvisiertes Smaland-Gulag-Derivat abgeschoben werden, während sich Mama und Papa mal amüsieren gehen. Konkret: Anreise von Deutschland aus am besten mit dem Zug, Haltestelle Basel BBF. Von hier sind es nur fünf Minuten zu Fuß zur Messehalle – immer geradeaus, kein Problem zu finden. Mit der regelmäßig verkehrenden Tram geht ‘s natürlich noch ein Eckchen schneller. Nach Berappung, respektive Befrankung eines zivilen Eintrittspreises (Tageskarte Erwachsene 10 Euro, ermäßigt 5 Euro – Ausweis mitbringen!) beim unaufdringlich uniformierten Schaltergirl, öffnet sich dem Interessierten dann die Drehtür ins Glück. Nachdem man dann noch den ersten Ansturm des engagierten, mit Prospekten wedelnden Messepersonals überlebt hat, die ersten Erkundungsschritte. Auf der Plusseite: 1. Das Literaturforum, im letzten Jahr eher noch ein schlechter Witz mit Kasperletheater-Architektur, diesmal groß, hell und freundlich. Sogar an Buchsbäume und Headsetmikrophone hat man gedacht – nicht schlecht. 2. Keine Freaks mit seltsamen Verkleidungen die gegen irgendwas oder irgendwen protestieren. 3. Mehr Gelegenheiten zur Pause: Saftbar, Literaturcafé und Champagnerlounge sind in unmittelbarer Reichweite, die Preise für die Schweiz üblich und die Leute an der Theke Geschmackssache. Im Minus: 1. Trotz gegenteiliger Bemühungen immer noch fieser Geräuschpegel aus dem Off bei eigentlich interessanten Lesungen. 2. Die Stände sind, bis auf wenige Ausnahmen, 08/15. 3. Keine Leckerli und Poster. Keine „besten Brownies aller Zeiten“ – siehe Bericht vom letzten Jahr ("Lo-fi gestylte Apothekenrundschau"). Der abgetrennte Bereich für die lieben Kleinen ist sehr gut organisiert, Langeweile ist da schon ein Kunststück. Überhaupt: Die Kinder- und Jugendliteratur scheint dieses Jahr einen besonders großen Platz einzunehmen, dafür weniger Comics. Die deutschen Kleinverlage, wie der im letzen Jahr so ausführlich gelobte Stand der Münchner „Blumenbar“, sind diesmal Fehlanzeige. Wie schon zuvor gibt es hingegen eine gut sortierte Hörbar, bei der die meisten gängigen Hörbucher ausliegen und angetestet werden dürfen – bei dem immer im Hintergrund mitflimmernden Messelärm eine echte Alternative. Ansonsten lohnt es sich, auch mal eine Stunde Pause zu machen und der nur zehn Gehminuten entfernten Basler Innenstadt einen Besuch abzustatten. Der Wiedereintritt zur Messe ist dank elektronischem Kartenscanner kein Problem – anstehen muss man im Normalfall auch nicht. Da ich nur am letzten Messetag da war, ein paar selektive Eindrücke von den Lesungen: Ingeborg-Bachmann-Preisträger Thomas Lang liest aus seinem neuen Roman „Am Seil“ zwei längere Passagen vor und wird anschließend relativ professionell von einer Literaturkritikerin verhört. Sein Buch scheint ganz lustig zu sein. Fans von Leitmotiven und Wortklaubereien kommen auf ihre Kosten. Vorlesen kann der Mann auch ordentlich. Obwohl satte zwanzig Jahre älter macht später Eva Demski den deutlich frischeren und sympathischeren Eindruck. Die gelernte Journalistin spricht über ihren Fernost-Krimi „Das siamesische Dorf“ und liest auch daraus vor. Sehr charmant und gut gemacht; der anschließend obligatorische Talk im Vergleich allerdings so zäh wie trocken Graubrot. Die größeren Podiumsdiskussionen sind im Allgemeinen gut moderiert und interessant. Über den Einsatz eines Simultanübersetzer-Kommandos sollte man bei Gelegenheit aber vielleicht doch mal nachdenken. Immerhin wird auch hier nicht mehr ins Mikrophon gebissen (am besten noch mit weiterreichen - Igittigitt), sondern ebenfalls inzwischen ein Headset benutzt. Fazit: Der Besuch lohnt allemal. Die Messe selbst ist überschaubar ohne provinziell zu wirken, die Stimmung ist gut, die Auswahl der eingeladenen Autoren beachtlich und wenn es nächstes Jahr wieder Brownies gibt, gehe ich auch wieder alle drei Tage hin. Versprochen. Alle Fakten zur BuchBasel unter www.buchbasel.ch.
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