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Maria Schrader verfilmt "Liebesleben"

Stärke durch Schwäche

Von Annika Wind

In Israel und Bonn verfilmte Maria Schrader "Liebesleben", den Bestseller-Roman von Zeruya Shalev. Die Schauspielerin sprach mit uns über ihre neue Rolle hinter der Kamera und das Experiment, in Israel einen Film zu drehen.

Maria Schrader in Israel. Darunter Filmszene aus "Liebesleben" mit Rade Sherbedgia und Neta Garty, Schrader gemeinsam mit Shalev. Fotos: X Filme.

Sie sehen aus wie Vater und Tochter. Oder wie ein Onkel und seine Nichte, die auf einer gemeinsamen Reise nach Deutschland zu einem Kaffeeklatsch angereist sind. Entspannt haben der kroatische Schauspieler Rade Sherbedgia und seine junge israelische Filmpartnerin Neta Garty nebeneinander Platz genommen. Ein grauhaariger alter Mann mit Lachfalten und einem verschmitzten Lächeln. Daneben seine junge, hübsche Filmpartnerin, die keck dem Kollegen eine Kaffeetasse reicht.

„Ich wusste sofort, dass beide diese Rolle spielen können“, sagt Maria Schrader über die Verfilmung von „Liebesleben“, für die sie erstmals nicht vor, sondern hinter der Kamera steht. Ein Porträt über eine junge Frau, die mit einem alten Mann ein Verhältnis beginnt, das ihr ganzes bisheriges Leben durcheinander bringt. Ein Film über ein Buch, dass vor zwei Jahren nicht nur in Deutschland Furore machte, weil es die Gemüter teilte: Während es die einen als poetisches Porträt über Abhängigkeiten und Selbstaufgabe bezeichneten, waren die anderen von der Unverblümtheit des Plots erschüttert. Aus der Sicht der Ich-Erzählerin Jara wird die abstruse, aber hoch erotische Liebesgeschichte zu Arie, einem Freund ihres Vaters erzählt, der sie mal begehrt, mal wegstößt. Eindringlich geht es um die faszinierende Kraft der Erotik, um Macht, Demütigung und Unterwerfung.

„Ich habe erst spät von diesem Buch erfahren“, erinnert sich Schrader, die für eine Lesereise der israelischen Autorin angesprochen worden war. Auf einer Tour durch Deutschland hatte die Schauspielerin („Rosenstraße“) Shalev begleitet, um die deutsche Übersetzung bei Lesungen zu übernehmen. Aus der zunächst geschäftlichen Beziehung wurde Freundschaft. Aus einer anfänglichen Idee ein Projekt: Bereits vor sieben Jahren hatte Maria Schrader als Co-Regisseurin von Dani Levys „Stille Nacht“ und „Meschugge“ hinter der Kamera gestanden. Als Shalev ihr Buch als Filmplot anbot, griff die Schauspielerin zu. „Ich war wahnsinnig geehrt, dass ich diese Aufgabe übernehmen durfte“, sagt die 39-Jährige über ihr Regiedebüt, das von Stefan Arndt („X Filme“) und der israelischen Transfax Film Production produziert wird.

„Die Verantwortung ist enorm“, sagt Schrader über ihre neue Rolle als Regisseurin. Zunächst hatte sie die israelische Liebesgeschichte zu einem Drehbuch umgeschrieben. Erst dann kam ihr der Gedanke, diesen Film selbst zu drehen. Besonders die Auswahl der Schauspieler sei sehr spannend gewesen. „Ich wollte einen charismatischen, älteren Mann, der Wärme und Härte gleichzeitig ausstrahlen konnte“, sagt Schrader über den Kroaten Rade Sherbedgia, der bereits bei internationalen Kinoproduktionen wie „Eyes Wide Shut“ zu sehen war. Für die israelische Theaterschauspielerin Neta Garty ist „Liebesleben“ der erste internationale Film, der ausschließlich auf Englisch gedreht wird und im Herbst 2006 in die Kinos kommt.

„Ich hätte dieses Buch auf fünfzehn verschiedenen Arten verfilmen können“, sagt Schrader über den Plot von Zeruya Shalev, die im Film selbst eine kleine Rolle übernimmt. Auch wenn die Heldin ihres Filmes sich für eine hoffnungslose Liebe zunächst opfere, sei sie eine starke Frau. „Sie ist nicht abhängig, sondern getrieben von Neugier und Lebenshunger“.

Fremd und dennoch vertraut sei Israel gewesen, das Land, in dem Schrader einen Großteil der Filmaufnahmen drehen ließ. Während die Filmcrew in Jerusalem, Tel Aviv und Akka die Liebesgeschichte von Arie und Jara nachzeichnete, schossen sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Dennoch habe man sich entschieden, einige Drehtage im Land zu verbringen, die Innenaufnahmen jedoch wurden nach Bonn verlegt. Sowohl Shalev als auch die Regisseurin Schrader verzichteten in „Liebesleben“ auf jegliche Bezüge zur Politik. Sowohl im Buch als auch in Schraders Film werden der Nahost-Konflikt und die Vergangenheit ausgeblendet. „Jaras Geschichte kann sich theoretisch an jedem Ort der Welt ereignen.“

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