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: "Ich wollte ein politisches Buch schreiben"
Orhan Pamuk las "Schnee" in Köln"Ich wollte ein politisches Buch schreiben"Von Annika WindEinen Tag nach der Verleihung des Friedenspreises gab Orhan Pamuk dem Kölner Publikum die Ehre. Der Preisträger präsentierte sich bescheiden in seinem Auftreten, geistreich in seinen Antworten und einfühlsam als Vorleser.
Pamuk bei der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche. Foto: www.boersenverein.de
Es war ein deutsch-türkischer Kulturmix, den Pamuk im Kölner Schauspielhaus erwartete. Ein westliches Publikum mit selbstbewussten Türkinnen mit Kopftuch, daneben deutsche und türkische Männer mit Anzug und Handy. Laut gestikulierend feilschten die Letzten um eine der Karten. Seit Tagen war das Schauspielhaus ausverkauft. Fast schüchtern wirkte Pamuk, als er die Bühne mit seinem Verleger Michael Krüger, Moderator Robert Spiegel (FAZ) und einem Übersetzer betrat. Ein kurzes Winken in das Publikum, ein freundliches Lächeln in die Runde, dann kam der Autor zur Sache. Auf Einladung des Kölner Literaturhauses präsentierte er Passagen aus "Schnee", seinem neuesten Roman. Der Mittelpunkt des Abends wirkte gelassen und aufmerksam zugleich. Die Beine übereinander geschlagen, bequem in seinem Sessel zurecht gerückt las Pamuk auf türkisch, die deutschen Passagen übernahm sein Verleger. Die Distanz zwischen ihm und dem Publikum verringerte sich schnell: Immer wieder kommentierte er amüsant das Gelesene und beantwortete halb ernst, halb belustigt Spiegels Fragen. Dass ein großer Teil des Publikums die türkischen Statements sofort verstehen konnte, zeugte von der Fangemeinde, die sich hier eingefunden hatte. Für viele Türken ist Pamuk der Inbegriff moderner Literatur ihres Landes. Er selbst versteht sich als Brücke zwischen Moderne und Tradition. „Ich wollte ein politisches Buch schreiben“, sagte er über „Schnee“. Tatsächlich ist es ein politisch brisanter Plot, der dem deutschen Publikum seit diesem Frühjahr zugänglich ist. Eine Geschichte, die den Konflikt zwischen Kemalisten, Islamisten und Kurden porträtiert. „Schnee“ ist ein Roman über Ka, einen türkischen Mann, der nach einigen Jahren in Deutschland in seine Heimat zurückkehrt und sich, ausgehend von seinem Geburtsort Istanbul, auf die Spuren in seine Vergangenheit begibt. Ka reist in den verschneiten Ort Kars an der Grenze zu Anatolien und beginnt, seine Erinnerungen mit neuen Eindrücken zu vergleichen. Doch was zunächst nostalgisch wirkt, entpuppt sich schnell als großes Abenteuer. Der Schnee isoliert das verschlafene Grenzstädtchen und ermöglicht eine Reihe von Verbrechen. Der Reihe nach haben sich junge Frauen umgebracht - eine Serie von merkwürdigen Begebenheiten, die im übrigen Teil des Landes nur wenig Aufsehen erregt. Ka jedoch fährt genau in den Ort, für den sich der Rest der Welt scheinbar wenig interessiert. „Der Schnee hat vielerlei Bedeutungen“, sagte Pamuk. Er stünde für die Schönheit der Gegend, aber auch für die geographische Isolation. Nicht zuletzt durch die Abgeschottetheit des Ortes eskalieren Spannungen bis zu einem Militärputsch, von dem der übrige Teil des Landes erst spät erfährt. „Ich selbst war als junger Mann in Kars“, sagte der 53-jährige Pamuk über den fiktiven Ort, den er geschaffen hat. Mit 24 Jahren hatte er als Student eine ähnliche Kleinstadt besucht und seine Eindrücke und Erinnerungen verarbeitet. „Mir war klar, dass die Geschichte nicht in Istanbul spielen kann. Es musste ein besonders kleiner, besonders abgelegener Ort sein.“ Pamuk hatte zunächst eine englische Schule in Istanbul besucht, dann Architektur und Publizistik studiert. Erst mit 30 Jahren fasste er den Entschluss, Schriftsteller zu werden, inzwischen sind sieben Romane erschienen. „Ich hatte Sehnsucht nach einem einsamen Zimmer, in dem ich schreiben kann“, sagte der Autor bescheiden über seinen späten Entschluss und dann auf Anfrage zu seiner jüngsten Auszeichnung, „auch ohne einen einzigen Preis würde ich heute nichts anderes tun.“
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