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Die Dreharbeiten zu "Die Mauer" in Köln

Rabeneltern jenseits der Mauer

Von Annika Wind

Politik produziert Schicksale, das hat Hatmut Schoen längst erkannt. Mit prominenter Besetzung hat der Drehbuchautor und Regisseur "Die Mauer" abgedreht, die Geschichte einer Familie in Berlin, die die Mauer 1961 voneinander trennte. Ein Bericht von den Dreharbeiten in Köln.

Foto: WDR/Herby Sachs.

Renate hat Geburtstag. Fein säuberlich sind die Geschenke auf einem kleinen Beistelltisch aufgereiht. Sektflaschen, Pralinenschachteln und ein Obstkorb. Die festliche Stimmung am Filmset jedoch täuscht: Hier wird „Die Mauer - Berlin´61“ gedreht, ein Fernsehfilm über eine Familie in Berlin, die die Mauer 1961 überraschend voneinander trennte.

An einer langen Kaffeetafel in einem Café in der Kölner Innenstadt sitzen die Schauspieler der Teamworx–Produktion in Zusammenarbeit mit dem WDR. Heino Ferch spielt den Ostberliner Pflasterleger Hans Kuhlke, der sich mit kleinen Schmuggelgeschäften etwas Geld dazu verdient. An seiner Seite hat Inka Friedrich („Willenbrock“) Platz genommen. Sie gibt Kuhlkes Ehefrau Katharina, eine zunächst schüchtern wirkende, dann aber energische Frau, die um ihren Sohn Paule (Frederik Lau) kämpft.

Überhaupt sind es äußerst sensible Figuren, die Drehbuchautor und Regisseur Hatmut Schoen in „Die Mauer“ zeichnet. Ferch spielt einen dünnhäutigen, sensiblen Mann. Iris Berben gibt Lavinia Kellermann, eine gebrochene Frau, die ihren Frust in Alkohol ertränkt, für den ihr eigentlich fremden Jungen Paul jedoch ein hohes Risiko eingeht. Der Fernsehfilm erzählt von einem Drama, wie es viele deutsche Familien erlebten: Als das Ehepaar Kuhlke eines Tages zu einer Geburtstagsfeier in den Westen hinübergeht, wird die Grenze unverhofft hinter ihnen geschlossen.

Zurück bleibt ihr Sohn Paul, der fortan zwischen Kinderheimen und SED-Funktionären hin und her geschoben wird, bis sich die Klavierlehrerin dem verschüchternden Jungen annimmt. Schoens Film ist somit eine fiktive Geschichte, die sich auf reale Begebenheiten stützt. Tatsächlich hatten zahlreiche Familien 1961 ihre Kinder im Osten zurückgelassen. Diese waren in Heime gesteckt und zur Adoption freigegeben worden.

„Mein Film erzählt die Geschichte sogenannter Rabeneltern“, sagte Schoen über seinen Film, den er an Standorten in Krefeld und Köln, aber auch in Breslau drehen ließ. Aus Angst, dass er für seine illegalen Schmuggeleien inhaftiert wird, weigert sich Hans Kuhlke zurück in den Osten zu gehen. Fortan werden Freundschaften, aber auch seine Ehe auf eine harte Probe gestellt: Die einstigen Nachbarn Renate (Johanna Gastdorf) und Erwin Sawatzke (Axel Prahl) wenden sich von den Kuhlkes ab, die bei ihnen Unterschlupf suchen. Das Ehepaar ist ratlos, wie es zu ihrem Sohn gelangen soll.

Um Stimmung gegen den Westen zu machen, soll Paul öffentlich auf einem SED-Parteitag gegen seine Eltern aussagen– eine harte Probe für den 16-jährigen Jungen. „Am Ende jedoch ist Paul mutiger, als alle denken“, sagt Frederik Lau („Das fliegende Klassenzimmer“) über seine Rolle.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Regisseur Schoen mit dem Phänomen einer Grenze beschäftigt. Für „Der Grenzer und das Mädchen“ hatte er unlängst den Medienpreis CIVIS für Integration und kulturelle Vielfalt bekommen. „Kalter Sommer“ ist jedoch der erste Fernsehfilm, der konkret das Problem des Mauerbaus behandelt. Ein Erinnerungsstück an eine Zeit, in der nicht nur politische, sondern auch menschliche Beziehungen in Frage gestellt wurden. „Die Deutschen müssen sich ihrer eigenen Biographie bewusst werden, um ihr Land zu verstehen“, sagte Berben über den Film.

Offensichtlich wird mit "Die Mauer" der Geschichtskurs im deutschen Fernsehen weiter fortgesetzt: Ende November wird auf SAT 1 "Die Luftbrücke - nur der Himmel war frei" zu sehen sein, in dem Ferch einen US-General spielt. Schoens Film kommt im Herbst 2006 ins Fernsehen, danach jedoch plant das Produktionsteam schon einen neuen Streifen: Für 2009 denkt der WDR an einen Film über den Mauerfall.

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