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150 Jahre LitfasssäuleDas werbende DenkmalVon Meike RosenplänterEr hat sich selbst ein Denkmal gebaut. Mehrere sogar, wenn man es genau nimmt. Um die 67.000 Litfaßsäulen zieren deutsche Innenstädte. Vor 150 Jahren hat Ernst Theodor Litfaß in Berlin die Genehmigung erhalten, die erste Werbetrommel aufzustellen.
Werbung ist für uns heutzutage ein allgegenwärtiger Bestandteil unseres Lebens. Ständig werden wir damit berieselt: Im Auto vor den Nachrichten, im Fernsehen alle zwanzig Minuten und immer an den spannendsten Stellen, in Zeitschriften bunte Bilder von rauchenden Männern. Sogar im E-Mail-Posteingang stapeln sich mittlerweile Werbemails für Viagra, Penisverlängerung oder das neue Office-Programm. Gegen diese gelegentlich subversiven in jedem Fall aber äußerst penetranten Versuche der Verkaufsförderung, nimmt sich eine spezielle Form der Werbung recht altertümlich aus. Es ist bei dieser Konkurrenzsituation fast ein Wunder zu nennen, dass sie schon ganze hundertfünfzig Jahre lang überlebt hat und dass auch heute noch in jeder größeren Stadt seltsame Säulen stehen, auf die ab und an neue Plakate geklebt werden. Immerhin 67.000 Litfaßsäulen gibt es in ganz Deutschland, davon werden 17.000 nur von einem Werbenden beklebt. Alle anderen bieten verschiedene Informationen zu Theatervorführungen, Programmkinos, Konzerten oder Pferderennen. Man geht an ihnen vorbei, sieht vielleicht, während man an der Ampel steht, ein interessantes Plakat; man nimmt sie wahr – und gleichzeitig auch nicht. Sie bieten ihre Informationen jedenfalls auf recht geordnete Art und Weise dar. So hat Ernst Theodor Litfaß das auch gewollt.
Das wilde Kleben von Plakaten missfiel dem Königlichen Hof-Buchdrucker sehr, weshalb er eine Pariser Institution in seine Heimatstadt Berlin importierte. In der französischen Hauptstadt gab es die runden Reklameträger schon seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen „colonnes affiches“. Litfaß hatte sich nach einer Buchhändlerlehre zunächst als Schauspieler versucht und gründete sogar ein Theater. 1845 übernahm er dann jedoch das Familienunternehmen, ein Druck- und Verlagshaus und druckte schließlich für den König. Er beantragte die Konzession zum Aufstellen von 150 Anschlagsäulen. Der Zirkusdirektor Ernst Renz übernahm die Finanzierung der Berliner Säulen und so bekam Litfaß am 5. Dezember 1854 seine erste Genehmigung. Ein halbes Jahr später, am 15. 4. 1855 wurde die erste Säule an der so genannten „Ziegenbockswache“ in Berlin aufgestellt. Während der Kriegsjahre 1870/71 druckte Litfaß Kriegsdepeschen und veröffentlichte sie an seinen Säulen. Lifaß starb als reicher Mann am 27. Dezember 1874 während einer Kur in Wiesbaden. Seinen Namen jedoch hat er dank seines Ordnungssinnes zumindest der deutschen Nachwelt relativ nachhaltig vermacht. Es dürfte wenig andere historische Persönlichkeiten geben, denen ganze 67.000 Denkmäler namentlich gewidmet sind.
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Peter Gempp | 24.08.05 19:11 Uhr
Hallo Meike, du kennst bestimmt die vielen "Großuhren" mit Werbung - früher hießen die "Persiluhren" in Berlin. Kurz nach Lifaß wurden auch in Berlin die ersten aufgestellt. Wunderschöne
Robert | 07.03.06 09:20 Uhr
Ich finde die Seite super! ICh finde hier Informationen die ich sonst fast nirgens finde! danke |
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