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Gastarbeiter

Mokick und Blumen zur Begrüßung

Von Meike Rosenplänter

Heute kaum mehr vorstellbar: Arbeitskräftemangel in Deutschland. Vor 40 Jahren, im Herbst 1964, kam auf Einladung der Bundesregierung Adenauer der Millionste Gastarbeiter nach Deutschland. Ein Rückblick.

Bilder: SWR

Damit hat der unauffällige Mann, der in den leicht verschlissenen blauen Hosen und dem braunen Jackett den Zug am Kölner Hauptbahnhof verlässt, nicht gerechnet. Plötzlich hört er seinen Namen aus den Bahnhofslautsprechern: "Armando Rodrigues de Sá". Ihm gilt der Trubel, die Festreden, die wehenden Fahnen, die großen Transparente, die lauten Trompetenklänge, das Blitzlichtgewitter, die surrenden Wochenschaukameras und der Applaus. Denn Armando Rodrigues de Sá aus Portugal ist der millionste Gastarbeiter, der am 10. September 1964 auf Einladung der Bundesregierung nach Deutschland kommt, um hier zu arbeiten.

Schon Anfang der 1950er Jahre geht von der Regierung Adenauer der Impuls aus, ausländische Arbeitnehmer ins Land zu holen, um den Arbeitskräftemangel zu decken. Zu diesem Zeitpunkt gibt es zwar in der Bundesrepublik insgesamt noch über eine Million Arbeitslose, in einigen Branchen ist ein Mangel jedoch bereits abzusehen. Der Protest in Teilen der Gesellschaft macht hingegen deutlich, dass Gastarbeiter erst bei Vollbeschäftigung akzeptiert würden. Dennoch wird 1955 ein Abkommen über die Abwerbung italienischer Arbeitskräfte geschlossen. Ende der 1950er Jahre wächst die Anzahl der offenen Stellen dramatisch an. Über eine halbe Million freie Stellen werden 1960 den Arbeitsämtern gemeldet.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Das einheimische Kräftepotential ist ausgeschöpft, die geburtenschwachen Nachkriegsjahrgänge treten ins Erwerbsleben ein, die Ausbildungsdauer verlängert sich, die Arbeitszeit wird verkürzt, das Eintrittsalter in den Ruhestand sinkt. Bundesregierung, Parteien und Gewerkschaften sind sich einig: Ein weiteres Wachstum der Wirtschaft ist nur durch die Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmern sicherzustellen. Und so werden in den folgenden Jahren Anwerbeabkommen mit weiteren Staaten abgeschlossen: 1960 mit Spanien und Griechenland, 1961 mit der Türkei, 1963 mit Marokko, 1964 mit Portugal, 1965 mit Tunesien und 1968 mit Jugoslawien.

Weitere Vorteile neben der Arbeitskraft sind für die Bundesregierung, dass die ausländischen wie die deutschen Arbeitnehmer Lohnsteuer und Sozialbeiträge abführen, Sozialleistungen jedoch - noch - wesentlich seltener in Anspruch nehmen. Außerdem dämpft die hohe Sparquote der Gastarbeiter die Konsumgüternachfrage und hält damit die Preise stabil.

Die Unterbringung der Gastarbeiter ist sehr einfach. Die Unternehmen errichten aus Kostengründen zunächst häufig "Wohnheime" auf dem eigenen Betriebsgelände. Die Zimmer sind mit mehreren Arbeitern belegt und oft sind die Heime als Teil des Firmengeländes von der Außenwelt geradezu abgeschottet. Den Gastarbeitern ist diese günstige Art der Unterkunft durchaus willkommen, da sie dadurch mehr Geld sparen und in die Heimat schicken können.

Armando Rodrigues de Sá bekommt als Willkommensgeschenk ein Zündapp-Mokick Sport Combinette und einen Strauß Blumen geschenkt. Damit reist er noch am selben Tag weiter zu seinem neuen Arbeitgeber, der Baufirma Gustav Epple in Stuttgart. Danach verliert sich seine Spur.

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Die neuesten Kommentare


José B. do Nascimento | 10.08.05 16:33 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,
Um Ihre Artikel zu ergänzen möchte Ihnen mitteilen dass Herr Sá ca. 4 Jahre in Deutschland gearbeitet hat und ist in seine Heimat (Nord Portugal) an Lugen Krankheit gestorben.
MFG
Jose B. do Nascimento

Saman H. | 04.11.05 23:37 Uhr

Sein Motorad steht im Haus der Geschichte in Bonn

Tobias Salzmann | 21.04.06 11:01 Uhr

Weitere Links zum Thema Gastarbeiter:
http://www.dradio.de/aod/html/?year=2005&month=12&day=20&page=2&
sowie
http://de.wikipedia.org/wiki/Gastarbeiter

heinz walter | 29.06.06 14:02 Uhr

...




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