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Es hat sich eben so...

...ergeben

Von Johannes Gernert

Johannes Gernert stellt etwas entsetzt fest, dass es langsam Zeit wird, zum Entscheider zu werden.


Neulich habe ich überlegt, magersüchtig zu werden. Man muss sich ja irgendwie abheben. Ich habe die Idee dann schnell verworfen. So etwas Besonderes sind magersüchtige Männer auch wieder nicht. Ich stelle mir Magersucht außerdem ziemlich anstrengend vor, manchmal endet das sogar tödlich.

Während meines Praktikums in einer Wirtschaftsredaktion habe ich mich geweigert in die Kantine zu gehen. Ich weiß gar nicht warum, es hat sich so ergeben. Stattdessen habe ich mir minderwertiges, teils verdorbenes Obst von einem Marktstand geholt, Äpfel, Bananen, Orangen, gelegentlich auch Kürbiskernbrötchen und manchmal Molke. Molke ist gut, wenn man abnehmen möchte, hat mir eine Freundin einmal erzählt. Ich will ja nicht abnehmen, aber Molke schmeckt auch nicht so schlecht.

In meinem Zimmer saßen zwei Kollegen, denen nach mehreren Wochen mein von der Norm abweichendes Essverhalten auffiel. Die anderen in der Redaktion gingen meist gegen 11:43 Uhr in die Kantine. Ich blieb währenddessen sitzen. An einem meiner letzten Tage hat mich einer der beiden Redakteure gefragt, ob dieses ständige Obstessen religiös bedingt sei. Ja, habe ich gesagt, das sei Ökofaschismus.

Warum eigentlich mache ich das, habe ich mich anschließend gefragt. Ich wusste es nicht. Ich tue oft Dinge und weiß gar nicht warum. Ich bin beispielsweise auch seit bestimmt zehn Jahren Vegetarier. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich irgendwann gesehen habe, wie an den Beinen aufgehängte Kühe in Laster gehoben und dort zusammengepfercht werden. Wie Vieh.

Ich habe das auch irgendwann einmal gesehen, aber es hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich jetzt Vegetarier bin. Es ist eine Korrelation, aber kein Kausalzusammenhang. Ich habe einmal etwas Statistisches studiert, man muss da behutsam unterscheiden. In Regionen mit vielen Störchen werden viele Kinder geboren. Das bedeutet nicht: Weil es in einer Region viele Störche gibt, werden dort viele Kinder geboren. Es bedeutet schon gar nicht, dass die Störche die Kinder bringen.

Wahrscheinlich bin ich Vegetarier aus Gewohnheit. Angefangen habe ich vielleicht, um einem Mädchen zu gefallen, das auch Vegetarierin war. Um etwas Verbindendes herzustellen zwischen uns und damit Zuneigung zu erzwingen. Vermutlich war es nicht mal das. Es hat sich so ergeben.

Ich muss, glaube ich, künftig ein bisschen besser aufpassen, dass sich nicht alles irgendwie ergibt in meinem Leben.

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