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„Lost and Sound“

Berlin, Techno und House

Von Johannes Gernert

Der Kulturautor Tobias Rapp hat als teilnehmender Beobachter das elektronische Berliner Nachtleben erforscht. Ein Buch, das Lust macht, loszuziehen.

Lost and Sound: Rapp im House

Wenn man Tobias Rapp an einem frühen Morgen einmal hat neben einem DJ-Pult stehen sehen, die Hände recht ekstatisch in der Luft, viel Bass dazu und Stroboskopzucken, dann weiß man im Grunde schon, dass so jemand nur auf eine ganz bestimmte Art und Weise über Techno in Berlin schreiben kann – als Begeisterter. Das ist auch der Grundton seines Suhrkamp-Buches „Lost and Sound. Berlin, Techno und der Easyjetset“. Rapp nimmt die Binnenperspektive ein, als einer, der mitfeiert, und es jetzt gerne noch ein bisschen genauer wüsste.

So bewegt er sich tanzend und parlierend durch seine kleine Studie, die eigentlich den Titel „Berlin, House und der Easyjetset“ tragen müsste, weil der Oberbegriff „House“ ihm treffender vorkommt, das stellt er ganz am Anfang fest. Seine Begeisterung vernebelt ihm nicht den gründlichen, analysierenden Blick. Das macht „Lost and Sound“ zu so einem gelungenen Nachtspaziergang.

Rapp konzentriert sich auf die Partymeile, die sich in dem Brachland zwischen Alexanderplatz und O2-World entwickelt hat. Er besucht ihre wesentlichen Clubs, spricht mit Star-DJs und Betreibern und beschreibt, wie sich Berlin dank billigem Kerosin und günstigen innereuropäischen Flügen zu einem beliebten Club-Reiseziel für viele feiernde Techno-Fans gemausert hat. Sein Weg führt ihn vom Mittwoch, wo es losgeht, bis zum Montag, wo es langsam wieder aufhört. Er sitzt mit Auflege-Legenden zusammen und fliegt mit aufstrebenden DJs durch Europa.

In der Schlange vor dem Berghain lässt er stellvertretend einen „Groove“-Gastautor stehen, der den weltberühmten Berliner Club mit präzisem Blick erkundet. Rapp selbst schwärmt gern. Seine Bewunderung für den Organisator der Club-Kommune „Bar 25“ versteckt er nicht. Stattdessen referiert er lieber einige Anekdoten zu diesem verrückten Ort, wo man sich gern mal zwischendurch einen bläst. Da ist er dann fast ein bisschen zu sehr der Provinzler, der dieses unglaublich aufregende Berlin erkundet.

Aber im Grunde ist das ja auch völlig richtig. Berlin ist schon ein ziemlich verwegen blühendes Brachland. Zumindest was Techno oder House oder Electro anbelangt. Den Beweis führt Rapp sehr gekonnt. Man möchte manchmal gar nicht weiter lesen, sondern sich lieber gleich in irgendeine dieser Schlangen stellen, leises Wummern in der Ferne, um vorfreudig den Easyjetsettern nebenan zuzuhören.

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