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RAF-VerfilmungCoole TerroristenVon Johannes GernertEs ist der teuerste deutsche Film aller Zeiten. Über 400.000 Zuschauer haben den "Baader-Meinhof-Komplex" bisher gesehen. Als sinnvolle Ergänzung des Action-Spektakels empfiehlt sich die Drehbuchvorlage.
Zu diesem Film ist längst alles gesagt worden. Mehrfach. Zuletzt noch einmal sehr öffentlichkeitswirksam bei "Anne Will". Da waren dann sogar zwei der wichtigsten Schauspieler dabei: Moritz Bleibtreu, der im "Baader-Meinhof-Komplex" den Baader spielt und Martina Gedeck – die Ulrike Meinhof. Die Zuschauer, bemängelten anschließend manche Kommentatoren, hatten natürlich überhaupt keine Ahnung, wovon in der Diskussionsrunde die Rede war. Beziehungsweise: eigentlich schon. Sie hatten den Film zwar noch nicht gesehen, aber sicher extrem viel darüber gelesen. Etwa im Magazin der Wochenzeitung "Zeit", das zwei Wochen vor dem Filmstart ein äußerst ausführliches Interview mit dem ehemaligen "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust präsentierte. Das war durchaus konsequent – und es folgten ja diverse andere Aust-Interviews in anderen Medien. Im Grunde ist der "Bader-Meinhof-Komplex" ein Stefan-Aust-Film. Auch wenn Bernd Eichinger für das Drehbuch verantwortlich war und Uli Edel für die Regie. Es ist Aust gewesen, der in seinem Buch "Der Baader-Meinhof-Komplex", das jetzt in einer aktualisierten Fassung erschienen ist, die Geschichte der RAF bis aufs kleinste Schwarzpulverkrümelchen nacherzählt. Man hätte auch etliche Wochen vor dem Filmstart schon wissen können, wovon die aktuellste RAF-Verfilmung handelt. Damals stellte Aust bei der Aufzeichnung für eine Fernsehsendung seinen neu aufgelegten Longseller vor. Auch da war viel von der Spaltung der Gruppe der Rede, von dem Zerwürfnis zwischen Ensslin, Baader und Meinhof auf der anderen Seite, von der Brutalität in die hinein alles abdriftete nach einer Weile – auch wenn es so idealistisch-rebellisch begonnen hatte. Der "Baader-Meinhof-Komplex" ist eine penibelst genaue Rekonstruktion, die die RAF in einen historischen Kontext bettet und ihre Entstehung aus der Geschichte heraus erklärt. Demos, Freiheitssehnsucht, Polizei-Geknüppel, Springer-Hass. Das historische Fundament aus dem der Terror wuchs. Gar nicht so langsam. Und mit einer zutiefst euphorisierenden Wirkung auf die wesentlichen Protagonisten. Auch das hatte Stefan Aust bei der sommerlichen Fernsehaufzeichnung schon erwähnt. Wie der Vater von Gudrun Ennslin, ein Pfarrer, von ihrer Begeisterung spricht und schon vieles kommen sieht, bevor es überhaupt losgeht. Es haben sich in diesem Kritiker-Diskurs zum "Baader-Meinhof-Komplex" zwei wesentliche Stränge herausgebildet. Die einen sagen, dass der Film ein reines "Bang, Boom, Baader"-Spektakel ist – so formuliert es etwa die "Netzeitung". Es knallt oft und heftig – viel mehr nicht. Die Verfechter dieser These argumentieren beispielsweise damit, dass Dutschke eine viel zu kurze Zwei-Minuten-Rede halten darf, bevor er, hoppla, schon angeschossen wird. Viel mehr Theorie lassen Aust, Eichinger und Edel nicht zu. Die Opfer haben überhaupt nichts zu sagen und wirken somit auch nicht sonderlich sympathisch. Ja, ja, erwidern nun die Anhänger der anderen Diskurslinie: Aber gerade die geballte Gewalt zeige doch den ganzen Irrsinn, der sich aus dem anfänglich nachvollziehbaren Aufbegehren entwickelt hat. Selbst die Meinhof erschrecke sich irgendwann vor sich selbst. Und das stelle die Gedeck fabelhaft dar. Das ist überhaupt nicht falsch. Dass da etwas zutiefst Grausames geschieht, das wird durchaus klar. Allerdings schafft der Film mit seiner historischen Logik und inhaltlichen Knappheit das Gefühl: Sie übertreiben zwar ein bisschen, aber im Grunde haben sie schon recht. Cool sind die Terroristen schließlich irgendwie – wenn sie etwa halbnackt in einem palästinensischen Ausbildungslager die prüden Araber darüber informieren, dass schießen doch dasselbe sei wie ficken. Oder als zwei hübsche Damen von einem explodierenden Polizeipräsidium wegflanieren. Weil die Opfer, der Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer etwa, völlig flache Charaktere ohne wirklichen Redeanteil sind, ist Mitleid fast nicht möglich. Man gerät so schnell auf die Seite von Baader; Ensslin und Mitstreitern. Und anschließend fragen sich die Nachgeborenen: "Wo sind all die Terroristen hin?". So wie es der deutsche Popstar Jan Delay getan hat. Und wünschen sich die lässigen Revolutionshelden zurück. Spätestens dann sollten sie den "Baader-Meinhof-Komplex" lesen – nicht nur anschauen. Da relativiert sich einiges.
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Gargano | 23.10.08 06:33 Uhr
So ist das halt, wenn Bernd Eichinger Stoffe in die Hand nimmt: Der Name der Rose, Das Parfum, Der Baader-Meinhof-Komplex. Er schielt nach Hollywood und vergißt dabei Haidingshausen. Und mit Schrecken wart ich auf die Schlagzeile in der KRONE: |
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