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Ausstellung: Hiroshi SugimotoSchein und ZeitVon Susanne SchmetkampDer japanisch-amerikanische Fotokünstler Hiroshi Sugimoto reist seit mehr als 30 Jahren mit seinen Bildern durch Zeit und Raum. Nach der Düsseldorfer Kunstsammlung zeigt noch bis 5. Oktober auch die Berliner Nationalgalerie eine große Retrospektive.
Lightning Fields. Bild: Neue Nationalgalerie
Es sind die ganz großen Themen, die sich Hiroshi Sugimoto zueigen macht: Sein und Zeit, Wirklichkeit und Wahrheit, Tod und Vergänglichkeit. Fotografie ist für ihn dabei das Medium schlechthin, das ihn sogar bis in die Urzeit versetzen kann. Eines Nachts zum Beispiel – es war im Jahre 1980 während einer seiner inspirativen Selbstgespräche in New York – fragte sich Sugimoto, ob wohl jemand einen Ort so sehen könne, „wie ein urzeitlicher Mensch ihn gesehen haben mag“. Der Japaner schnappte sich seine alte Großbildkamera, fuhr nach Jamaica und knipste den karibischen Ozean. Innerhalb der folgenden 23 Jahre entstanden etwa 500 solcher Bilder an verschiedenen Orten, aber stets in der gleichen Komposition: Obere Hälfte Himmel, untere Hälfte Meer. Die Seascapes offerieren eine Reise in Sugimotos Ideenwelt: Die großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien bilden das ab, was schon immer da war: Wasser und Luft. Dabei ist die Horizontlinie je nach Wetterlage mal akkurat und trennt ein schwarzes gekräuseltes Meer von einem hellgrauen glatten Himmel, mal völlig verschwommen und einfarbig. Sieht man von dem rechthaberischen Einwand ab, weder heute noch damals habe man die Welt schwarz-weiß gesehen, ist das Ganze doch eine clevere Idee. Sugimoto hat derer viele. Die Retrospektive des japanisch-amerikanischen Künstlers in der Neuen Nationalgalerie Berlin ist eine von vier Stationen einer Tournee (zuerst war sie in Düsseldorf, ab 25. Oktober ist sie in Luzern zu sehen). Die Ausstellung, die Sugimoto selbst konzipiert hat, zeigt elf Serien beziehungsweise 63 Bilder. Nichts ist hier dem Zufall überlassen ebenso wenig wie in den Bildern irgendetwas nicht bis ins Kleinste durchkomponiert wäre. Sugimotos hyperrealistische Fotoserien sind dabei vor allem eines: Ein ästhetischer und technischer Hochgenuss. Die Geduld und Konzentration, die er dafür immer wieder von neuem beweisen muss, spiegelt sich in den Bildern wieder. Um das zu erfahren, muss man nicht gleich in existenzialphilosophische Meditationen über Raum und Zeit verfallen, wie Sugimoto es in seinen nächtlichen Frage-Antwort-Sitzungen tut. Es genügt schon, über seine archaische Herangehensweise zu staunen. Sugimoto, der in New York und Tokio arbeitet, schreitet mit seinen Bildern zu den fotohistorischen Anfängen und zelebriert die Kunst der analogen Fotografie. Ausgerüstet mit einer Kamera aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert lichtet er in langen Sessions seine Ideen ab und leistet Widerstand gegen die Schnelligkeit unserer Zeit: Geduldig öffnet er die Blende der Kamera, wartet…, wartet…, wartet… und schließt sie wieder. Nach 20 Minuten oder nach Stunden, je nach Motiv. Im Studio werden die Abzüge dann akribisch retuschiert, jede Störung die nicht zum dargestellten Motiv gehört, wird entfernt. Ergebnis dieser Präzisionsarbeit sind zum Beispiel gestochen scharfe Portraits (1999) des englischen Königs Heinrich VIII. oder des japanischen Regenten Hirohito. Der Clou dabei: Es sind Kopien von Kopien von Kopien. Sugimoto fotografierte Wachsfiguren in Madame Tussauds Kabinett, die wiederum plastische Nachbildungen von Fotos oder Gemälden sind, wie etwa im Falle von „König Blaubart“, 1540 von Hans Holbein auf Leinwand verewigt. Vorläufer dieses Konzepts sind die Dioramas (1974 bis 1999), Aufnahmen der Schaukästen im American Museum of Natural History: Aasgeier, die ein Zebra zerlegen, tanzende Unterwasserpflanzen oder eben der berühmte Polar Bear, der gerade im Begriff ist, einen toten Pinguin zu verspeisen. Dieses Bild legte 1976 den Grundstein von Sugimotos Karriere, der es damit gleich ins Museum of Modern Art schaffte. Vielleicht sollte man Sugimoto einfach als Spieler verstehen, der nicht nur mit der Wahrheit, der angeblichen Objektivität der Fotografie spielt, sondern auch seine eigene philosophische Weisheit mit einem Augenzwinkern verbreitet: Hegel hat er, wie er in seinen Jugendmemoiren schreibt, schon nach der Einleitung der Phänomenologie wieder beendet, und mit dem Buddhismus kam er über einen Tempelpriester in Verbindung, der ihm erklärte, das menschliche Bewusstsein sei „in Haut gehüllte Scheiße, ein Sack ohne Seele oder Geist“. Dies habe ihn, so schreibt er, „vom Fluch der materialistischen Weltsicht befreit“. Sugimoto – 1948 als Sohn einer Kaufmanns-Familie geboren – hat eigentlich zuerst Wirtschaftswissenschaften in Tokio studiert. Damals lernte bei Museumsbesuches den Surrealismus lieben, allen voran Giorgio de Chirico. 1970 ging er dann selbst zum Kunststudium nach Los Angeles. Unter anderem prägten ihn die Konzeptkunst Yves Kleins oder die Ironie in der Kunst Andy Warhols. Nicht, dass Sugimotos Bilder selbst besonders ironisch wirkten. Aber der Japaner spielt in ihnen mit den Kategorien Wahrheit und Illusion, so wie auch in seiner Theaters-Serie. „Was geschieht, wenn du einen ganzen Film auf einem einzigen Bild aufnimmst?“, lautete hier seine anfängliche Frage. „Du erhältst eine glänzende Leinwand.“ Über einen Zeitraum von immerhin 26 Jahren fotografierte Sugimoto Kinoleinwände, während dort ein Film lief. Er öffnete die Blende zu Beginn und schloss sie am Filmende. Auf dem Foto schließlich sieht man nichts als eine weiße Leinwand und einen leeren Kinosaal. Zu viele Informationen führten eben ins Nichts, sagt der Künstler und kritisiert damit auch unsere mediengesättigte Gegenwart. Ob dazu unbedingt sein obligatorisches Serienformat notwendig war oder ob diese Aussage nicht auch durch ein einziges Foto schon zum Ausdruck gekommen wäre, sei da einmal dahingestellt. Fotos sind Manifestationen der idealen Welt und Vortäuschungen der Wirklichkeit, so könnte man als platonische, wenngleich nicht besonders spektakuläre oder neue Quintessenz unter Sugimotos frühe Arbeiten schreiben. Inzwischen experimentiert er in neuen Gefilden: Zu Skulpturen verarbeitete und dann fotografierte mathematische Formeln etwa beweisen, das Kunst sogar in den Dingen steckt, „denen keine künstlerische Intention zugrunde liegt“ – eine Erkenntnis, die an die Industriefotografie von Hilla und Bernd Becher denken lässt, mit denen Sugimoto, wenn auch nicht das Dokumentarische, so doch zumindest auch das Serielle gemein hat. Die Architecture-Folge (1997-2002) über berühmte moderne Bauwerke stellt die „Haltbarkeit der Moderne“ auf den Prüfstand: Mittels der fototechnisch absurd klingenden Einstellung seiner Brennweite auf „doppelte Unendlichkeit“ wird das Fotoobjekt völlig verschwommen. Was übrig bleibt, ist etwas mehr als eine Silhouette, zum Beispiel des Einstein-Turmes in Potsdam oder des World Trade Centers, das schon hier – seiner Zeit voraus – im Verschwinden begriffen ist. Zumindest einem Angriff durch extrem verschwommene Fotografie hat diese „Architektur der Superlative“ aber widerstanden. Da wären wir also wieder beim Thema Vergänglichkeit angelangt, das Sugimoto ja bereits in seinen Seascapes auf die Probe gestellt und gezeigt hatte, dass einige Dinge in unserer Welt unveränderlich und ewig sind. Erstaunlich, dass Sugimoto sich dennoch einem der anfälligsten Medien, der Fotografie, widmet. Doch er wäre nicht der visionäre Experimentiertkünstler, als der er sich versteht, würde er nicht auch das schon wieder zur Kunst machen: Als ein Foto der Meerlandschaft-Serie aus dem Jahre 1990 Sonnenlicht und Feuchtigkeit ausgesetzt war, kam ein Zersetzungsprozess in Gang. Das Bild („Time Exposed, Adriatic Sea“), das zwar nicht in der Ausstellung, wohl aber in dem umfangreichen Katalog zu sehen ist, entlarvt die Unvergänglichkeit der Zeit und weist vielleicht darauf hinaus, was ein Mensch der Zukunft sieht, wenn er vor dem Ozean steht: Zerstörung. Bis es so weit ist, sollte man sich in aller Ruhe die wunderbaren Bilder des Hiroshi Sugimoto anschauen – mit oder ohne philosophische Gedanken. Bis zum 5. Oktober in der Berliner Nationalgalerie. Der Katalog (Hatje Cantz) kostet 49,80 €.
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Helmut Lorscheid | 21.01.09 05:41 Uhr
Liebe Kunstfreundinnen und Freunde, diese Einladung von Brele Scholz möchte ich Euch weiter leiten. Außerdem möchte ich Sie überhaupt auf diese Künstlerin hinweisen. Und wenn Sie interesiert sind, gerne auch auf weitere... Hallo liebe Freunde, Ich freue mich sehr, Sie/Euch zu meiner bisher umfangreichsten Skulpturenschau einladen zu können.
Individuelle Terminvereinbarungen unter 0174.1778907
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