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: Fünf Jahre junge Literatur in Bochum
Treibgut Anthologie "42 Spuren am Strand"Fünf Jahre junge Literatur in BochumVon Nils VollertDie Anthologie „42 Spuren am Strand“ dokumentiert die Kulturarbeit der Bochumer Literaturinitiative Treibgut eindrücklich. Für Kenner der gegenwärtigen Literaturszene stellt sie eine spannungsreiche, teils namhafte Mischung dar.
Die Literaturinitiative „Treibgut“ ist in Bochum mittlerweile eine feste Institution. In regelmäßigen Abständen organisiert die kleine studentische Gruppe vier oder fünfmal im Jahr eine Lesung auf dem Campus der Ruhr-Universität, mal mit bekannteren Autoren (Frank Goosen) und dann wieder mit aufstrebenden Literaten der Bochumer Studentenszene. Zum fünfjährigen Bestehen der Gruppe haben Denise Schynol, Julia Sandforth, Ulrich Schröder und Christoph Villis nun eine Anthologie mit 42 Texten aus der Feder jener Autoren herausgebracht, die während einer der inzwischen 20 Treibgut-Lesungen Geschriebenes zum Besten gaben. Herausgekommen ist eine spannungsvolle Anthologie, in der gestandene Profis der Literaturszene und Anfänger gleichermaßen zu Wort kommen. Dass dabei nicht jeder Beitrag gänzlich überzeugen kann, liegt vor allem in der Absicht der Herausgeber, einen „ungefilterten Querschnitt durch fünf Jahre facettenreiche junge Literatur" zu geben. Das macht aber auch nichts, dokumentiert doch die Anthologie gerade das fruchtsame Nebeneinander von Hobbyliteraten und solchen, die mit dem Schreiben ihr Geld verdienen. Letztlich überwiegen die auf die ein oder andere Art überzeugenden Beiträge. Auf der einen Seite stehen die Texte bekannterer Autoren wie Frank Goosen, Martin Becker, Björn Kern, Jörg Albrecht oder Matthias Schamp, die auch als die gelungensten gelten dürfen. Hinzu gesellen sich überraschend verheißungsvolle Debütanten wie zum Beispiel Christoph Manfred Müller, der mit einer stilistisch sicheren, witzigen Liebesgeschichte über „Lena und ich, ich und sie“ aufwartet. Aber auch die Geschichten von Carsten Marc Pfeffer „Der Kant, Anna-Lena und ich“ und „Goldenes Handwerk“, die er zusammen mit Thomas Schlick verfasste, zeugen von literarischem Können auf hohem Niveau. Stilistisch vereint die Anthologie eine Vielzahl verschiedenster Ansätze und Herangehensweisen an Literatur. Neben den dezidiert popliterarisch anmutenden Beiträgen von Frank Goosen oder Thomas Tonn steht die absurde Geschichte Martin Beckers „Museum der schönen Künste“ oder die mystifizierende Sprache Joschka Haltaufderheides. Hinzu gesellen sich einige eher essayistische Texte, welche die Arbeit der Literaturinitiative Treibgut reflektieren, etwa von Karin Bellmann und Denise Schynol. Letztlich mangelt es den Herausgebern der Anthologie auch nicht an Selbstironie. Der Text „Wortstrudel“ des Musikjournalisten und Schöpfer der Hui-Welt Oliver Uschmann, einst selbst Mitglied der Treibgut-Gruppe, stellt eine bisweilen harte Abrechnung mit den Tücken und Schwächen einer studentisch-ehrenamtlichen Literaturinitiative dar. Einige der Herausgeber dürften sich in diesem Text karikiert finden. Es ist ein sympathischer Zug, diesen Text nicht verschwiegen, sondern gerade in die Jubiläumsanthologie aufgenommen zu haben. Der Weg „Treibguts“ war durchaus steinig, die Anthologie belegt das mit dem kritischen Text eines Ex-Treibgutlers. So führt die Anthologie durch fünf Jahre literarischer Tätigkeiten an der Bochumer Universität. Eine solche Zeit ist für eine rein ehrenamtlich arbeitende Initiative eine lange und zeugt von der Qualität und Kontinuität der Arbeit. Sternstunden und Schattenmomente reichen sich in einer solchen Zeitspanne die Hand. Die Anthologie dokumentiert beides, vor allem aber ist es beachtenswert, dass „Treibgut“ immer wieder einen Riecher für gute Autoren und spannende Lesungen unterschiedlichster Couleur bewies. Somit stellt das Buch, das im Duisburger Universitätsverlag herausgegeben wurde und zum erschwinglichen Preis von 14,80 Euro erhältlich ist, ein Muss im Bücherregal eines jeden Kenners der Ruhrgebiets-Literaturszene dar.
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