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Alexander Osang: Lennon ist totRobi allein in New YorkVon Johannes GernertSpiegel-Reporter Alexander Osang hat seinen zweiten Roman geschrieben. Die Initiationsgeschichte eines deutschen Abiturienten spielt in New York.
Ab Seite 269 fängt die Geschichte an ein klein bisschen spannend zu werden. Und das ist natürlich nicht der allerbeste Zeitpunkt. Da sind nur noch wenige Seiten übrig. Aber vielleicht geht es Alexander Osang in seinem zweiten Roman nicht so sehr um Spannung. Nur: Worum dann? Osang erzählt eine Initiationsgeschichte. Er war einige Jahre als Spiegel-Korrespondent in New York. Also spielt der Roman auch dort. Der Protagonist des Romans heißt Robert Fischer und verlässt nach dem Abitur seinen Heimatort Friedrichshagen bei Berlin, um in New York aufs College zu gehen. Er sucht irgendetwas, einen Platz, seinen Platz, ein Mädchen, ein paar Koordinaten für sein Leben. Die Stadt versetzt ihn aber in eine seltsame Lethargie, von der er sich irgendwann treiben lässt, weg vom College, von seinem seltsamen Job in einer Detektei, auch von den Gasteltern. Er entflieht dem Haus, nimmt nur einen gepackten Rucksack, ein paar CDs und seinen iPod mit, hinterlässt der Tochter, in die er sich ein wenig verliebt hat, einen Zettel. Die Stadt fließt draußen vorbei, vorm U-Bahn-Fenster. Mit einem leichten Seufzen beschreibt Osang diese Kulisse, seine Melancho-Metropole. Robert Fischer landet in den weiten Wäldern von Fire Island, wo ihm der deutsche Einwanderer Hans in einem Waldhäuschen Obdach bietet. In dem Haus soll für einige Tage auch einmal John Lennon übernachtet haben. Der Besitzer hat deshalb nach dessen Tod ein kleines Lennon-Archiv im Dachboden eingerichtet, von dem sich Robert angezogen fühlt. Weil Hans über Neujahr in den Süden flüchtet, bekommt der junge Deutsche bald Schwierigkeiten mit dem Heizen, holt sich eine Lungenentzündung, lässt sich zwar ins Krankenhaus bringen, zieht aber auch von dort weiter - zurück nach New York, wo er irgendwann in der Kälte vor dem Haus von John Lennon einschläft und schließlich ins Krankenhaus eingeliefert wird. An dieser Stelle unterbricht Osang die Reise des Ziellosen für eine Weile und schildert, wie dessen Vater in Amerika ankommt. Er erzählt wie dieser vom verschwundenen Sohn erfährt, wie er dennoch seiner Frau dieses aufregende New York zeigen möchte und es am Ende, weil sie abgereist ist, nur sich selbst zeigt. In dieser ziemlich kurzen Passage trifft Osang wieder diesen ihm sehr eigenen Ton, der immer ein bisschen amüsiert klingt wegen der schrulligen Protagonisten, wegen dieser Osang-Typen, die auch seine Reportagen bevölkern und die er von dort direkt mit hinein in seine fiktiven Texte nimmt. Er respektiert sie immer und hat einiges an Verständnis für sie übrig. Wer sich nun, während der Vater suchend durch die Stadt streift, sorgt, was denn gerade mit dem Sohn passiert, der kann durchaus so etwas wie leichte Spannung empfinden. Einen Hauch davon wenigstens. In dieser Passage wird auch ein Motiv des Romans deutlicher. Das Vater-Sohn-Verhältnis. Zwei, die aneinander vorbei denken, wollen, wünschen und sich am Ende doch verstehen. Überlegungen am Generationen-Graben. Dieses Familien-Ding. Ihm kann Osang, auch über die Figur des hängen gebliebenen Bruders zuhause, noch am meisten abgewinnen. So ein bisschen. Das ganze Buch hat so etwas Ein-bisschen-haftes. Der zwanzig Jahre alten Ich-Erzähler klingt manchmal, als habe man ihn aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Sie wissen schon, was ich meine. Osang hat sich "The Catcher in the Rye" als Folie für seinen Roman gewählt. Dieses Buch vom ebenfalls etwas ziellosen jugendlichen Rebellen, der vieles zum ersten Mal erlebt. Auch Robert wird auf der Wald-Insel entjungfert. In beiden Romanen stehen zwei Figuren im Mittelpunkt, die irgendwie aufbegehren, aber nicht richtig wissen warum und nur ein bisschen wogegen. "The Catcher in the Rye" hat man auch bei Mark Chapman gefunden, als der John Lennon erschossen hatten. Deshalb wohl diese Holden-Caulfield-Figur vor diesem John-Lennon-Hintergrund. Es wirkt wie eine etwas beliebige Wahl. Und so nett sich das alles liest, so schön erzählt die fiktiven Szenen auch sind, so wenig bleibt am Ende von diesem Buch. Irgendwie. Alexander Osang: "Lennon ist tot", S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007, 288 Seiten, Preis: 18,90 Euro
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