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Moritz von Uslar: "Waldstein"

Toter Gieseking

Von Johannes Gernert

Moritz von Uslar hat viele 100 Fragen gestellt - und dann auch mal ein Buch geschrieben. "Waldstein" handelt von Fischstäbchen, Vögelphantasien und vom Immer-immer-immer-weiter.

Was macht man, wenn eigentlich nichts zu machen ist, weil, egal was man macht, macht man immer so weiter, wie man immer schon gemacht hat. Doch mal was anderes machen? Vielleicht den Ort wechseln - andere Stadt?

Walter Gieseking lässt Waldstein zurück, seine Freundin, und geht nach Berlin, dann nach München. Es ist aber wirklich nichts zu machen, fast nichts, Räume umdekorieren, ja gut, fremdficken ein bisschen, cool bleiben, cool schreiben, Kaffee trinken auf dem Redaktionsflur. Sie heiraten am Ende und bekommen ein Kind. Was soll's.

Davon handelt "Waldstein - oder der Tod es Walter Gieseking am 6. Juni 2005" Davon, dass nichts zu machen ist und trotzdem macht man weiter. Läuft.

Es passiert nicht viel: Fischstäbchen essen, nach Berlin fahren, alte Kumpels treffen, den Vater der Freundin, Rat holen, eine Frau ficken, vor ihr weglaufen, Wodka klauen, ihr dann doch noch mal schreiben, aber...
Es kommt darauf auch gar nicht an. Es ist eher dieses Sprachding. Wie da einer zum Mitlesen denkt. Für uns. Kennen wir ja, sind wir ja, aber nicht nur, zwischendurch auch immer mal die Augenbrauen hochziehen, Stirn krausen, verfickter Gieseking. So wir, ich, du, aber auch er, so anders auch. Steht er da und sagt, dass er sie hätte früher kennen lernen müssen, wie gut sie ist, sie liegt nackt auf dem Bett, er zieht sich die Stiefel an. Kein guter Zeitpunkt, denkt er, für so was.

Es ist aber eben auch so: Es ist eben nicht nachzumachen.

Was ja dann auch ziemlich okay ist. So.

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