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Benjamin Lebert: "Kannst du"

Ich über mich

Von Claudia Schuh

Der ehemalige Jungautor Benjamin Lebert hat sein drittes Buch geschrieben. Das handelt, wie auch die beiden anderen, hauptsächlich von ihm selbst. Und vom Zweifel, den er mit sich trägt. Der dritte Teil einer regelmäßig aktualisierten Früh-Autobiographie.

Kannst du? Oder nicht?

Als Autor glaubt Benjamin Lebert immer noch nicht an sich. Sonst hätte er nicht dieses Buch geschrieben mit dem fragenden Titel „Kannst du“. Der Roman handelt vom 21-jährigen Tim Gräter. Auch er ist Schriftsteller. Auch er ist als Teenie zum Starautor geworden und kämpft mit Schreibblockaden nach der Veröffentlichung seines Debüts: „Der Roman erschien, als ich sechzehn Jahre alt war. Ich schmiss die Schule. […] Von dem Zeitpunkt an war ich Autor. Mein Roman war ein großer Erfolg, obwohl er sehr kontrovers diskutiert wurde. In der FAZ erschien ein Artikel, der mit Das Kind überschrieben war.“ Das klingt doch sehr nach Benjamin Lebert selbst. Wieder einmal erzählt Lebert über sein eigenes Leben als Autor.

In „Kannst du“ gibt es neben den offensichtlich autobiographischen Elementen auch so etwas wie eine Geschichte: Tim fährt mit Tanja per Interrail nach Skandinavien. Während der Reise merkt Tim immer mehr, dass mit Tanja, mit der er zwar schläft, aber doch nicht richtig zusammen ist, etwas nicht stimmt. Sie fügt sich selbst Schmerzen zu, hat Albträume und spricht sogar von Selbstmord. Statt Tanja zu helfen, geht Tim zu Prostituierten. „Prostituiertensüchtig“ nennt er sich selbst. Sein gesamtes Geld, kokettiert er, gebe er für leichte Mädchen aus. „Kurz darauf machten wir es in der Missionarsstellung. Sie gab sich mir so hin, dass ich keine Sekunde lang das Gefühl hatte, ich sei nur ein Freier. Es war ganz toll. […] Bei ihr hatte ich keinen Orgasmus. Aber das war nicht verwunderlich. Nach geraumer Zeit sagte sie: ’Bei den meisten anderen musst du ihr Ding bloß ansehen, und schon kommt es Ihnen! Aber bei dir…Du solltest Pornodarsteller werden!’“ Diese Beschreibungen klingen sehr nach Kleine-Jungen-Phantasien und verdammt nach dem „Crazy“-Autors Lebert. Damals schrieb er von Schule, Mädchen und Liebeskummer. Im neuen Roman ist viel von Titten und Ficken, von Fummeln und Knutschen die Rede. Sex ist immer noch das dominierende Thema in Leberts Büchern.

Der Romantitel kannst du, das wird im Buch erklärt, nimmt Bezug auf ein Spiel. Es geht darum, Geschichten weiter zu schreiben. Dass Lebert daran selbst zweifelt, hat er mit seinem neuen Buch gezeigt. Ob er als Autor wirklich ernst zu nehmen ist, muss er erst noch beweisen: Mit einem Buch, das mehr enthält, als seine eigene Geschichte und ein paar nette Gedanken.

Benjamin Lebert: „Kannst du“ ist bei Kiepenheuer&Witsch erschienen und kostet 9,90€.

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Die neuesten Kommentare


Caro | 14.02.07 18:18 Uhr

Benjamin Lebert schreibt autobiografisch,und doch lässt er viele Dinge ungeklärt.Es geht um Tanja und ihre Probleme,und trotzdem wird dem Leser verschwiegen,was eigentlich mit ihr los ist.Literarisch ist dieses Buch sicher kein Meisterwerk!Auf eine gewisse Art und Weise spricht es einen an,jedoch sollte Lebert auf einer anderen Ebene schreiben,um als Autor ernst genommen zu werden.

Niklas | 02.02.07 12:22 Uhr

irgendwie fande ich dieses buch sehr tröstend! es hat mich auf eine seltsame art beruhigt. die geschichte ist trotzdem traurig, aber in jeder emotion nachvollziehbar!

blue79 | 08.08.06 21:46 Uhr

Krass, erschreckend, bizarr...

Als ich den Klappentext gelesen hab, hab ich mir was anderes vorgestellt, als das was ich dann gelesen hab. Im ganzen fehlte mir der Schwung und ich war doch sehr erschrocken über Tim's Verhalten: kühl, skrupellos und überhaupt kein Einfühlungsvermögen geschweige denn Interesse an der Person Tanja - typisches Machogehabe. Schade fand ich, dass überhaupt kein Einblick gewährt wurde, was überhaupt in Tanja vorging, dass sie sich so verhalten hat. Gut fand ich den Einblick, wie ein Schriftstellerleben aussehen kann, in diesem hier ja dann ziemlich egozentrisch.

Susanna Gotsch | 28.06.06 17:41 Uhr

Dritter Roman von Wunderkindautor Benjamin Lebert ist ebenso gelungen, wie das so hochgelobte „Crazy“. Man merkt dennoch, dass Lebert an Schreibreife dazu gewonnen hat.
Hat mir gut gefallen.



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