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Gerd Langguth: Angela Merkel

Es ist kein Mädchen

Von Oliver Havlat

Sie ist Deutschlands erste Kanzlerin – aber wer ist sie? Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth versucht auf wissenschaftlich nüchterne Weise Persönlichkeit und Biographie Angela Merkels auszuleuchten.

Vielleicht hat es die dänische Fernsehreporterin damals mit ihrer Frage auf den Punkt gebracht, dieses komische Merkel-Gefühl. Es war der 10. Oktober und es war die erste Pressekonferenz einer reichlich zerknittert aussehenden, frisch designierten Bundeskanzlerin nach etlichen durchwachten Sondierungsnächten mit dem ehemaligen politischen Gegner. Merkel hatte schon über ihre »Koalition der neuen Möglichkeiten« gesprochen, Fragen zur Türkei-, Rußland- und Amerikapolitik beantwortet und die deutschen Journalisten schienen keine weiteren Fragen mehr zu haben, als sich die dänische Korrespondentin meldete und die Regierungschefin in spe direkt fragte: »Frau Merkel, Sind Sie eine glückliche Frau? Oh, come on!«

Mach uns doch wenigstens ein bißchen den Schröder, hieß das. Sei doch wenigstens ein kleines bißchen so jovial und impulsiv, zeig dich doch mal richtig, war die flehentliche Bitte dahinter.

Unter Umständen brachte so eine ausländische Journalistin am pointiertesten zum Ausdruck, was die Deutschen an ihrer neuen Kanzlerin so verstörend finden: Sich läßt sich nicht einordnen, nicht charakterisieren. Sie geht nicht aus sich heraus, sie ist unnahbar. Merkel ist intelligent, machtbewußt, geschickt kalkulierend, ja. Aber wer ist diese Frau wirklich? Wer steckt hinter Angela Merkel? Das demoskopische Porträt der Angela Merkel habe mit den Etiketten »kalt, aber klug« gearbeitet, formulierte der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte. Wir wissen nur stückchenweise etwas über sie, mit ihrer ungewöhnlichen, gezwungenermaßen wenig geradlinigen Biographie läßt sie sich nur schwer einer Kategorie zuordnen – eine Tatsache, die Angela Merkel ihren so sehr an eindeutige Zuordnungen gewöhnten Landsleuten ein wenig unheimlich macht.

Gerd Langguth versucht, dem ein Stück weit abzuhelfen. Der Bonner Politkwissenschaftler hat die aktuellste und wohl bisher beste Biographie der neuen Kanzlerin vorgelegt. Schlicht »Angela Merkel« heißt das Buch, ohne jeden Untertitel – und schon daran wird deutlich, daß der kaum zu Deutungsakrobatik neigende Langguth kein endgültiges Urteil, keine Schublade bereit hält. Stattdessen widmet er sich akribisch, an manchen Stellen geradezu pedantisch der Ausleuchtung des Lebens einer Frau, die wohl fast schon zufällig in der Politik und an der politischen Spitze der drittgrößten Industrienation gelandet ist.

Erst mit 35 Jahren ist Angela Merkel in den politischen Betrieb geraten, in einer Zeit, als in der kollabierenden DDR die Grenzen zwischen den neuen politischen Lagern noch fließend waren. Sie, die promovierte Physikerin, die zuvor mehr oder weniger gezwungen Unpolitische, die vor sich hin geforscht hatte an der Akademie der Wissenschaften der DDR, geriet plötzlich in einen Strudel der Ereignisse, der sich als steter Sog nach oben erweisen sollte. Sie trat dem Demokratischen Aufbruch bei wurde dessen Pressesprecherin, wurde Regierungssprecherin der ersten (und letzten) frei gewählten DDR-Regierung unter Lothar de Maizière, wurde von Helmut Kohl entdeckt und nach der Wiedervereinigung zur Bundesministerin zunächst für Frauen und Jugend, später für Umwelt und Reaktorsicherheit sowie zur – damals einzigen – stellvertretenden CDU-Vorsitzenden gemacht. »Es ist ein Mädchen« titelte damals die Presse und die Bezeichnung blieb lange an ihr haften: Sie war »Kohls Mädchen«. Der Sturz Kohls vom Kanzlersessel und die Spendenaffäre der CDU ebneten Merkel dann den Weg nach ganz oben – wenn auch um den Preis der Vernichtung einiger politischer Karrieren gerade ihrer männlichen Parteigenossen. Langguth bissig: »Die Sammlung ihrer Skalps kann sich sehen lassen.«

Über 140 Interviews hat Gerd Langguth für sein Buch geführt, hat Freunde, Weggefährten, Zeitzeugen, ehemalige Lehrer und Schulfreunde befragt. Nicht nur der lange Anmerkungsapparat zeugt von wissenschaftlicher Herangehensweise. Auch Langguths Diktion ist angenehm sachlich, er verzichtet auf jegliche journalistischen Mätzchen (»Die Tränen der Castoren«), die etwa Evelyn Rolls neu aufgelegte Merkel-Biographie (»Die Erste«, Rowohlt Verlag) in Teilen zur enervierenden Lektüre werden lassen. Langguth legt die verschiedenen Lebensabschnitte Merkels übersichtlich eingeteilt dar, sondiert jeweils die politische Großwetterlage als den Hintergrund, auf dem sich der Werdegang der Bundeskanzlerin abspielt, untersucht das schwierige Verhältnis Merkels zu ihrem Vater und schließt mit zehn zumeist gut begründeten Thesen über das »System Merkel«.

Gerade der letzte Teil gerät dabei zum besten des Buches, weil Langguth hier in seinem Element ist. Dort, wo die Quellenlage weniger ergiebig ist und die Erinnerung manches Zeitzeugen mitunter schon etwas verblaßt, so bei der Schilderung der Jugendjahre Merkels in Templin und Leipzig, wirkt seine Beschreibung oft etwas hölzern. Auch merkt man dem Buch an, daß Lektorat und Autor von der vorgezogenen Neuwahl des Bundestages überrascht wurden und der Band fertig werden mußte: Gerade im vorderen Teil finden sich häufig doppelt angebrachte Informationen und Bemerkungen.

In jedem Fall aber kann die kritisch-distanzierte Biographie Langguths zur Beleuchtung der Person Angela Merkels ein gutes Stück beitragen. Ob sie »sphinxhaft« ist, wie Langguth findet, sei dahingestellt. Eines ist sie aber sicher nicht mehr: Ein Mädchen.

Gerd Langguth: Angela Merkel, dtv premium, München 2005, Preis: 14,50 Euro.

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Die neuesten Kommentare


 | 25.06.07 13:34 Uhr

gbds

asylant.bleibe recht | 25.06.07 13:32 Uhr

wir sind 8 jahr in Germany kein strafe kein problem arbeit haben gefunden aber sie geben uns kein arbeiterlaubnis obwohl firma über 7 monat sucht jemand für solche arbeit aber sie geben uns kein arbeit erlaubnis und lassen uns immer sozial hilfe bekommen antragen für bleibe recht gestellt aber bochum auslanderamt sagt für vor 8 jahr ist ihre asyl antrag abgelehnt verwaltungsgericht lass nicht das sie bleibe rechts bekommen deswegen darf nicht bleibe recht gesetz bekommen unser rechts anwalt bewundert sich und sagte sie sollen Geld auf mein konto überweisen dann mit garanti bekommen sie bleibe recht . bochum hat neu gesetz für asylant enwickelt .oder muss geld bezahlen dann arbeiten und bleibe recht bekommen bitte bitte bitte informieren sie uns und auslanderamt bochum damit lassen uns arbeiten weil unsere bekannten einfach haben in andere stadt das bekommen warum sie wollen wir immer sozialhilfe geld bekommen und nicht arbeiten nur bochum ist so über 8 jahr in deutschland kein strafe arbeit haben ob andere sache gibtes geld oder andere sache wie ist das.
mit freundlichen grüssen. mensch erdball.



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