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Andrej Kurkow: Die letzte Liebe des Präsidenten

Skurriles Leben am Eisloch

Von Fiona Gutsch

Ein junger Mann in den letzten Jahren der sozialistischen Ukraine, der sich durchs Leben treiben lässt, ein erfolgreicher Geschäftsmann der Jetztzeit, der privat vom Pech verfolgt wird und ein müder, einsamer Präsident im Jahre 2015, der nicht mehr weiß, welchen seiner Berater und Minister er noch trauen kann – davon handelt das neue Buch von Andrej Kurkow.

Die drei so unterschiedlich erscheinenden Personen sind die verschiedenen Lebensabschnitte ein und derselben Person, Sergej Stepanowitschs. Der Einstig in sein Leben und damit in das Buch wird jedoch durch die zu Anfang wild durcheinander wechselnden Perioden sehr erschwert. Erst nach einigen Seiten etabliert sich ein regelmäßiger Turnus, der dann allerdings schon fast wieder langweilig anmutet.

Anspielungen auf gegenwärtige Ereignisse, vor allem in der jüngsten Vergangenheit der Ukraine klingen immer wieder an, doch scheint sich auch in der Zukunft in dem Land wenig geändert zu haben. Andere Entwicklungen belustigen einerseits sehr und lassen andererseits ein leichtes Schaudern zurück. So etwa die große Vierhundertjahrfeier der Romanov-Dynastie in Moskau, bei der ein Treffen der Staatschefs in einem riesigen Eisloch stattfindet, und die Tatsache, dass Putin auch 2013 noch russischer Präsident ist.

Anders als in den bisher bei uns erschienenen Romanen von Kurkow vermisst man die Anwesenheit eines Tieres, das, ähnlich wie der Pinguin in „Picknick auf dem Eis“ oder auch „Petrowitsch“ den Helden wie ein Maskottchen durch den Roman begleitet und immer wieder Anlass zum Schmunzeln gibt. Im Gegenteil, am Ende des Buches bleibt eine gewisse Leere zurück und man fragt sich immer wieder, warum man doch weiter liest, ja, fast nicht aufhören kann. Wahrscheinlich liegt das an den kurzen Abschnitten aus den verschiedenen Perioden in Sergej Stepanowitschs Leben, aus denen der Roman besteht. Am Ende jedes Abschnittes fragt man sich, wie es jetzt weitergeht und ob der nächste Teil nun endlich Klarheit in das sich so bruchstückhaft zusammensetzende Leben des Helden bringt.

Ein insgesamt sehr skurriler Roman, der bei einem Osteuropa-unkundigen Leser leisen Zweifel zurücklässt, ob das Leben dort wirklich so verrückt ist oder der Autor nur bisweilen stark übertreibt und absichtlich mit Klischees spielt.

Andrej Kurkow: Die letzte Liebe des Präsidenten, Diogenes 2005, Preis: 22,90 Euro

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